Das Biohaus

Ein Unterrichtsthema wurde bewohnbar !

Ausgangspunkt für das Projekt „Biohaus“ war die eher trockene Beschäftigung mit dem Teilthema „Ökologisches Bauen“ im Unterricht einer 9. Klasse. Montessori-Schüler aber lernen bekanntlich ja auch mit der Hand. So konnte es eigentlich nicht verwundern, dass recht bald der Wunsch durchs Klassenzimmer geisterte, selbst aktiv zu werden und ein kleines Klassenzimmer im Grünen kompromisslos nach ökologischen Gesichtspunkten zu bauen.
Welch ein Thema für unseren wöchentlichen Projekttag!

Skizze – Bauzeichnung des Biohauses

Welch ein Traum, in einer Planungs- und Bauzeit von zwei Jahren ein Ausrufezeichen setzen zu können!
Aus den zwei Jahren wurden elf Jahre, in denen 6 Klassen planten, berechneten, Sponsoren suchten, Behördengänge machten, Überzeugungsarbeit leisteten, Radiosendungen produzierten, Ausstellungen beschickten, mit Fachleuten zusammenarbeiteten, bauten, Wind und Wetter trotzten, Feste feierten, sich Blasen holten, verzweifelt waren und am Ende stolz sind auf ihr „Biohaus“.
Im Schuljahr 2004/05 wurde die ersehnte Solaranlage installiert.
Im Mai 2006 wurde das Projekt „Biohaus“ mit großem Erfolg durch Schüler unserer Oberstufe im Ideenpark 2006 in Hannover vorgestellt.
Ebenfalls im Jahr 2006 wurden die Schüler und die Schule für ihr Projekt „Biohaus“ mit dem Preis „gespannt aufs morgen – lebendige Schätze im Bistum Aachen“ ausgezeichnet.

Schüler bei Arbeiten am Biohaus

Grunddaten des Biohauses:
Grundfläche: 45 m 2
Höchste Höhe: 4,90 m
Niedrigste Höhe: 1,80 m

Seitenwände: Gefache aus Weidengeflecht / Lehmbewurf / Isofloc – Isolation / Lehmplatten / Lehmoberputz (innen) / Sumpfkalk mit Schweineborstenarmierung / Silikatschutz

Zwischenwand:„Grünlinge“, um tragfähige Masse zu erhalten / Lehmoberputz / Durchbrüche am Boden und an der Decke (Luftzirkulation)

Schüler bei Arbeiten am Biohaus

Rückseite: Lehm-Häcksel-Ziegel (Wärmespeicherung) / Lehmoberputz (innen)

Fundament: Streifenfundament aus Recycling-Schotter /
Fundamentmauerwerk aus Kalksandstein (die „Stiefel“ des Lehmbaus)

Dach: Begrünung als ökologischer Ausgleich zur Bebauung /
Besondere Holzkonstruktion, um dem Granulat aus Vulkangestein und Humus Halt zu geben
(Die Dachbegrünung war ein Projekt eines Bio-LK)

Vorderseite: Glasvorbau in Südausrichtung (in Verbindung mit der Konstruktion der Zwischenwand: Passive Nutzung der Sonnenenergie)

Energieversorgung: Passive Nutzung der Sonnenenergie + Photovoltaikanlage

Nutzung: „Klassenzimmer im Grünen“ / An lauen Sommerabenden kann man auch schon einmal Lehrerinnen und Lehrer mit einem Glas Bier oder Wein im Biohaus beobachten.

Arbeit in Kleingruppen im Biohaus

Lehmbau

Sich für den Baustoff Lehm zu entscheiden, kann viele Gründe haben. Uns überzeugten die folgenden besonders:

  • Lehm ist ökologisch vollkommen unbedenklich. Der Baustoff würde sich im Zweifelsfall wieder vollkommen in den natürlichen Kreislauf einfügen.
  • Lehm verzeiht Fehler bei der Verarbeitung großzügig. Mit einfachem Wasser sind weitere Versuche möglich. Lehm eignet sich also hervorragend für den Selbstbau.
  • Lehm schafft ein sehr gesundes Raumklima, vor allem im Hinblick auf Luftfeuchtigkeit und Wärme.
  • Lehm ist preiswert. Im Prinzip kann man diesen Baustoff auf seinem Baugrundstück selbst fördern, um ihn direkt verarbeiten zu können.
  • Lehm ist ein Baustoff mit „Geschichte“. Seit Jahrtausenden wird er von den Menschen verarbeitet. Die Baudenkmäler im arabischen Raum etwa legen ein beredtes Zeugnis ab von den großen Möglichkeiten dieses besonderen Stoffes. In jüngster Zeit erlebt er auch bei uns eine Renaissance, wie auch entsprechende Lehrstühle an der RWTH-Aachen und der Hochschule in Kassel belegen. (Sie gehörten zu unseren Informanten und Ratgebern.)

Die Gestaltung des Außengeländes um das Biohaus herum ist noch nicht völlig abgeschlossen. Hieraus ergibt sich ein weiteres „Zukunftsprojekt“.